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Sonntag, 23 März 2014

Kolumne: Über die Ehrlichkeit der Kinder

Über verletzende Gespräche und wie wir durch unsere persönliche Sprache Werte vermitteln

Heute sind meine Tochter (sechseinhalb Jahre) und ihre beiden Schulfreundinnen (A und B) mit mir im Auto mitgefahren. Dabei habe ich folgendes Gespräch mitgehört, das mein Herz schneller schlagen ließ:

Die eine Freundin (A) sagt stolz: "Zu meinem Geburtstag mache ich eine Pyjamaparty und eine andere Party, und du bist eingeladen" (zu meiner Tochter).

Meine Tochter: "Lädst du nicht auch B ein?"

A: "Nein. Zur Pyjamaparty lade ich nur zwei ein - dich und ..." (hier fängt mein Herz zu klopfen an).

Meine Tochter: "Ja, aber musst du davon reden, wenn B jetzt da ist?" (mich macht das jetzt stolz, dass meine Tochter sich so in Bs Situation hineinversetzen kann).

A: "Ja, aber sie kommt ja zur anderen Party mit."

Meine Tochter: "Ja, aber ich habe keine Lust, bei dir zu übernachten, weil ..." (mein Herz zieht sich zusammen).

A: "Okay. Aber dann kann ich ja B einladen."

B: "Ich mag auch nicht bei dir übernachten, und zu deiner Party mag ich auch nicht kommen, weil ..."

Und dann ist die Autofahrt beendet - wir sind angekommen.

Hunderte von Gedanken und Gefühlen fliegen mir während dieser Autofahrt durch den Kopf. Ich weiß, es hätte mir richtig wehgetan, wenn ein anderer Erwachsener meine Einladung auf dieser Art und Weise abgelehnt hätte. Ist es denn auch für Kinder untereinander so? Die Kinder sprechen die Dinge direkt an und halten damit so etwas vielleicht besser aus als wir Erwachsene. Während der Fahrt habe ich gedacht: "Soll ich jetzt etwas sagen und, vor allem, was?" Ich habe einerseits mit A mitgefühlt. Sie hat meiner Tochter gegenüber mit der Einladung zum Übernachten wirklich Vertrauen gezeigt. Andererseits hat die Antwort meiner Tochter etwas Gutes und Ehrliches. Ich hatte auch Mitgefühl für B, die nicht zum Übernachten eingeladen wurde. 

Inwieweit sollen wir Erwachsenen uns in die Beziehungen zwischen Kindern einmischen? Ist eine solche Situation eine wichtige Erfahrung in der sozialen Entwicklung der Kinder? Wann sollen wir eingreifen, um zu helfen? Wie gehen wir mit der Ehrlichkeit der Kinder um? Vertragen Kinder mehr Ehrlichkeit als wir Erwachsene?

Weiterlesen (derStandard.at)

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